2017.04.27: Streifzüge – Kulturpflanzenrundgang

Am Samstag, den 22.04.2017 brachen  der Grazer Kräuter-Experte Michael Flechl unter dem Titel „Erblühen“ gemeinsam mit über 40 TeilnehmerInnen zu einer Erkundungstour an verborgene Plätze von Kulturpflanzen, Obstbäumen und Wildkräutern in Jakomini auf. Der Kulturpfanzenstreifzug führte auf einer historischen Achse von der Münzgrabenkirche beginnend quer durch den Bezirk von Ost nach West bis zum Augartenpark. Natürlich gab es bei diesem Streifzug viel zu entdecken.

An 10 Stationen der Kulturpflanzentour begeisterte unser Kräuterexperte Michael Flechl nicht nur mit seinem scharfen Blick sondern auch mit seiner Begeisterung für die unglaubliche Pflanzenvielfalt, die die Stadtnatur an fast jedem Häusereck in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hauptverkehrsstraßen oder Supermärkten zu bieten hat.

Gleich am Start bei der Münzgrabenkirche wurden wir über den Götterbaum aufgeklärt, dessen Blätter zwar nach Popcorn riechen aber nicht essbar sind, dieser besonders viele Wurzelaustriebe erzeuge und eine imposante Baumgröße erreichen werde.

In unmittelbarer Nähe des Sparmarktes bei der Moserhofgasse zeigte er uns einen kleinen öffentlich zugänglichen Obstgarten samt Streuobstwiese, mit lauter essbaren alten Steinobstarten. Hier ist vom Kirschbaum, über den Birn- und Apfel- bis zum Zwetchken- oder dem Nussbaum alles anzutreffen.

Diese haben zur Überraschung aller eine Gemeinsamkeit: Sie gehören zu den Rosengewächsen und seien daran zu erkennen, dass diese immer 5 Blütenblätter haben. Und weil viele heute vor lauter Hetze gar nicht mehr links und rechts schauen  so wird vieles erst gar nicht gesehen und nicht mehr wahrgenommen, von welch wunderbaren Pflanzen man umgeben ist.

Gerade als Botaniker und natürlich auch als Stadtflaneur schaue man zuerst nach unten, dann nach oben und nach links und rechts. Und sogleich entdeckt man auch einen blühenden Dolden-Milchstern.  Im öffentlichen Raum sei dieser Frühjahrsgeophyt eine wahre Besonderheit.

Gerade die Jakominivorstadt und der Münzgraben waren im 19. Jahrundert bekannt für ihre Garten. So hatte zwischen der Münzgrabenstraße und der Kastellfeldgasse der Handelsgärtner Michael Geberger eine berühmte Gartenanlage. Als bürgerlicher Lustgärtner und k.k. priv. Kräuter- und Samenverleger züchtete dieser alle Arten von Zierpflanzen, Obstbäume und Gemüse und soll als erster die Artischocke in Graz eingeführt haben.

Nach fast 3 Stunden fand dieser frühlingshafte Streifzug am ehemaligen Kreuzungspunkt des einstmals offen fließenden Grazbaches und des Mühlganges in der Froschaugasse – heute der Kreuzungspunkt der Wielandgasse. der Pestalozzistraße un der Friedrichgasse – beim geschichtsträchtigen Taubstummeninstitut, wo einst das Schlösschen des Gerichtsadvokaten Dr. Johann Nepomuk Neuhold stand, der sich als Mitglied der steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft intensiv mit der Düngerbereitung, mit praktischen Versuchen in der Bienenzucht, der Zuckererzeugung aus Mais und anderen agrarischen Innovationen beschäftigte.

Genießen Sie unsere Fotogalerie zum Kulturpflanzenrundgang „Erblühen“:

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