CAFÉ JAKOMINI

Orte – Menschen – Geschichten

Eine spannende Drehwoche mit Markus Mörth

von Ines Kampenhuber

Bedingt durch die Corona-Pandemie in Österreich mussten die Dreharbeiten für „Im Jakotop“ Anfang März 2020 unterbrochen werden. Im Juli war es dann wieder so weit. Die Dreharbeiten konnten aufgrund der Lockerungsverordnung der Bundesregierung  fortgesetzt werden. Gleich eine ganze Drehwoche lag nun vor dem Team rund um Filmemacher und Regisseur Markus Mörth. Unsere Praktikantin Ines Kampenhuber schrieb einen Praktikumsbericht und gibt einen Einblick hinter die Kulissen der Filmarbeiten.

Hektisches Treiben, tobender Verkehr, Straßenlärm und Menschenmassen, die aus den Bussen und Straßenbahnen strömen prägen das alltägliche Bild der Conrad-von-Hötzendorf-Straße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der bekannten Grazer Messehalle befindet sich das Nachbarschaftszentrum des Vereins „Café Jakomini“. Die Idee des Filmprojekts „Im Jakotop“ wurde vom Verein für das Kulturjahr Graz 2020 eingereicht und schließlich ausgewählt. Der „Heimatfilm über den urbanen Schmerztiegel Jakomini“ soll genau diese oben beschriebenen Szenen einfangen. Die Erzählungen der BewohnerInnen stehen dabei im Fokus.

Um 9 Uhr startete mein erster Tag des Praktikums vom 6. bis zum 11. Juli 2020 zu den Dreharbeiten des Dokumentarfilms. Nach und nach trudelte das gesamte Filmteam bestehend aus 7 Leuten und dem Bezirksvorsteher Klaus Strobl ein. Bei den Vorbereitungsarbeiten durfte ich bereits mithelfen, obwohl ich noch keinerlei Erfahrung im Filmbereich vorweisen konnte. Als mir das 6-tägige Praktikum vom Regisseur und Uni-Lektor Markus Mörth angeboten wurde, war ich sofort begeistert. Da ich seit dem Sommersemester 2020 zusätzlich zu meinem Hauptstudium Transkulturelle Kommunikation das Ergänzungsfach Medienwissenschaften belege und mich dieser Bereich schon immer sehr interessiert hat, war es für mich besonders aufregend einen Einblick hinter die Kulissen eines Dokumentarfilms zu bekommen. Wie meine Sprachenkombination Spanisch, Englisch und Russisch bietet mir das Ergänzungsfach Medienwissenschaften und auch dieses Praktikum zusätzliche Möglichkeiten.

Von Montag bis Mittwoch führte uns die Musikkabarettistin Elli Bauer durch den Bezirk Jakomini, indem sie aufgewachsen ist. Von Location zu Location wanderten wir mit dem schweren Equipment, während das engagierte Kamerateam Elli Bauers Kindheits- und Jugenderinnerungen filmisch festhielt. Die immer wieder langen Wartezeiten beim Auswählen des richtigen Drehortes wurden durch nette Gespräche überbrückt. Selbst ich, als neue Praktikantin, wurde schon am ersten Tag gut in das motivierte Team aufgenommen und in die Dreharbeiten miteingebunden. Der Innenhof ihrer damaligen Wohnadresse, der Augarten und das Augartenbad waren im Fokus unserer ersten drei Drehtage. Während die beiden Kameramänner unter akrobatischem Einsatz die schwimmende Elli Bauer in Szene setzten, versuchte ich mich mit der zweiten Praktikantin an Aufnahmen des Augartenbades. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Erzählung eines älteren Badegastes, die berichtete schon seit 70 Jahren jeden Sommer in diesem Freibad zu verbringen. Später folgte das Interview mit Elli Bauer und ihrer Jugendfreundin. Die Führung durch den Bezirk Jakomini, begleitet von der fröhlichen Musikkabarettistin, war für mich als gebürtige Oberösterreicherin besonders informativ, da ich diese Gegend zuvor nicht wirklich kannte.

Am Donnerstag trafen wir uns um 10 Uhr im Atelier des Künstlers Gustav Troger. Der gebürtige Grazer ist nun seit einigen Jahren auch in Los Angeles tätig. Er erzählte uns von seinen Pseudonymen und seiner Arbeit auch in Bezug auf den Bezirk Jakomini. Ausgesprochen eindrucksvoll waren für mich seine Werke mit Spiegelfragmenten, speziell das mit Spiegeln verkleidete Auto stach mir sofort ins Auge.

Der Freitag war definitiv das Highlight meines Praktikums. Wir trafen uns beim Museum der Wahrnehmung und gingen gemeinsam mit dem gesamten Equipment zum Augartensteg. An diesem Tag durften wir eine Übung der Grazer Feuerwehr live miterleben und natürlich filmen. Sichtlich aufgeregt bereiteten wir alles vor. Bereits die Anwesenheit der Feuerwehrleute und des Filmteams zog die Aufmerksamkeit der Passanten an. Das Spektakel spielte sich direkt auf der Mur ab, so konnten die neugierigen ZuschauerInnen auch vom Ufer aus zusehen. Nun ging es los, ein Feuerwehrmann spielte einen Bewusstlosen der gerettet werden musste. Dafür sprang er vom etwas weiter entfernten Steg ins Wasser. Die spektakuläre Rettungsaktion mit dem Feuerwehrboot wurde vom Augartensteg, von beiden Ufern und sogar mit der Drohne von oben gefilmt. Natürlich wurde das ganze Manöver mehrmals wiederholt, wobei einmal sogar auf dem Boot gedreht wurde. Nach Abschluss der Dreharbeiten durfte auch das restliche Filmteam bis zur Murinsel und wieder zurück im Boot mitfahren. Insgesamt war dies ein sehr actionreicher Tag.

Am Samstag neigte sich nun leider mein Praktikum dem Ende zu. An meinem letzten Tag trafen wir uns im Büro der Architektin und Stadtplanerin Sanela Pansinger. Bei einem gemütlichen Kaffee im Garten wurden die letzten Einzelheiten besprochen und danach starteten wir die kleine Tour beginnend vom Hafnerriegel. Sie erzählte vom Bezirk aus architektonischer Sicht und führte uns durch die Gegend. Als es schließlich zu Regnen begann, kehrten wir in ihr Büro zurück, um dort das Interview zu drehen. Dabei durfte ich wieder beim Auf- und Abbau mithelfen, die Lichteinstellungen laut Anweisungen anpassen und sogar als Filmklappe mitwirken.

Alles in Allem war es sehr aufregend und auch anstrengend, da wir fast die ganze Woche zu Fuß unterwegs waren. Durch das Praktikum konnte ich nicht nur Erfahrungen sammeln, sondern auch mein Wissen im Filmbereich vertiefen. Ein großer Dank gilt dem freundlichen Filmteam, das stets versuchte mir Kameraeinstellungen und Abläufe genauer zu erklären.

Nach oben scrollen